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In seinem Bestseller "Gütig und Sanft" führt Dane Ortlund die Leser in die Tiefen des Herzens Christi für Sünder. Indem er sich auf die Worte Jesu konzentriert, dass er "sanftmütig und von Herzen demütig" ist, taucht Ortlund tief in Bibelstellen ein, die davon sprechen, wer Christus im tiefsten Inneren ist, und ermutigt die Leser mit der Zuneigung Christi für sein Volk.

Der Studienführer zu "Gütig und Sanft" wurde für die Verwendung in Verbindung mit dem Buch konzipiert und hilft den Lesern, tiefer über diese wunderbare biblische Realität nachzudenken. Diese leicht zugängliche Ressource enthält Diskussionsfragen, die in 10 Lektionen unterteilt sind, wobei jede Lektion 2–3 Kapitel aus dem Buch abdeckt. Dieser Studienführer ist perfekt für kleine Gruppen und Einzelpersonen geeignet.

Zu den einzelnen Lektionen gibt es Lehrvideos: Link auf Youtube


Autor: Dane Ortlund
Hersteller "3L Verlag"

3L Verlag gGmbH
Auf der Lind 9
65529 Waldems-Esch
info@3lverlag.de

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1 Bewertung

25.08.26 21:05 | Marcel

Bewertung mit 5 von 5 Sternen

Der Christus der Schriften - anders, als wir glauben!

Inhalt

Dane Ortlunds „Gütig und sanft“ ist ein Buch über eine Wahrheit, die Christen eigentlich kennen und doch immer wieder neu hören müssen: Wie steht Jesus Christus zu sündigen, angefochtenen und versagenden Menschen, die zu ihm gehören? Ausgangspunkt ist Jesu Selbstbeschreibung in Matthäus 11,29: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ Ortlund nimmt diesen Satz nicht als bloße Charakterisierung einer bestimmten Seite Jesu, sondern als Schlüssel zu seinem „Herzen“, also zu dem, was ihn im Innersten bewegt. Jesus ist für Ortlund der zugängliche und mitleidende Heiland, der Sünder nicht widerwillig erträgt, sondern Freude daran hat, ihnen Barmherzigkeit zu erweisen.

Ortlunds Anliegen ist ausgesprochen seelsorgerlich. Viele Christen wissen zwar, dass Christus sie liebt, haben aber dennoch den Eindruck, dass seine Zuneigung ihnen gegenüber durch ihre Sünde, ihr Versagen oder ihre geistliche Schwäche abkühlt. Genau diese Vorstellung will Ortlund korrigieren. Sein Buch möchte gewissermaßen aus „Postkartenwissen“ Erfahrungswissen machen: Wir sollen nicht nur wissen, dass Christus barmherzig ist, sondern diese Barmherzigkeit auch als Realität unseres Lebens erfahren.

Das Buch ist in zahlreiche kurze Kapitel gegliedert, die jeweils einen biblischen Text oder ein bestimmtes Motiv aufnehmen. Dabei verbindet Ortlund biblische Auslegung mit der geistlichen Erfahrung der Puritaner, insbesondere Thomas Goodwins, Richard Sibbes' und anderer älterer Autoren. Es handelt sich daher weniger um eine systematische Christologie als um eine pastoral-theologische Meditation über das Herz Christi. Die deutsche Ausgabe ist 2024 beim 3L Verlag erschienen und umfasst 251 Seiten.

Die positiven Aspekte

Eine große Stärke des Buches besteht zunächst darin, dass Ortlund den Blick konsequent auf die Person Jesu richtet. Johannes 6,37: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“, bedeutet für ihn nicht zuerst, zu einer bestimmten Lehre, einem System oder einer Gemeinde zu kommen, sondern zu einer Person. Das ist ein wichtiger Akzent. Christlicher Glaube besteht nicht nur darin, bestimmte Wahrheiten über Christus zu bejahen, sondern in der Beziehung zu ihm zu leben.

Besonders eindrücklich ist Ortlunds Darstellung der Zugänglichkeit Jesu. Jesus begegnet den Menschen, die von Sünde und Leid gezeichnet sind, nicht auf Distanz. Er geht auf Aussätzige, Gelähmte und die bedrängte Volksmenge zu; er weint über Jerusalem und am Grab des Lazarus; und selbst seine Gegner bezeichnen ihn treffend als „Freund der Zöllner und Sünder“. Ortlund macht daraus keinen weichgespülten Jesus. Gerade weil Christus vollkommen heilig ist, nimmt er Sünde und Leid vollkommen ernst. Sein Mitleid ist deshalb nicht die Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen, sondern die Reaktion eines vollkommen heiligen Herzens auf das Elend, das die Sünde angerichtet hat.

Der größte Sieg Satans besteht nicht unbedingt darin, dass er einen Christen zur Sünde verleitet. Noch verheerender ist es, wenn der Christ anschließend falsche Vorstellungen von Gott entwickelt und sich von ihm entfernt. Der Sünder fällt – und statt zu Christus zu laufen, versteckt er sich vor ihm. Genau dieses Versteckspiel will Ortlund durch die Darstellung des Herzens Christi durchbrechen.

Eine ähnliche Linie zieht sich durch seine Behandlung des Galaterbriefes. Unser gesetzliches Herz versucht ständig, Gottes Gunst durch unseren Gehorsam zu vergrößern, und fürchtet, sie durch Versagen zu vermindern. Ortlund erinnert dagegen daran, dass Gnade nicht nur das Tor zum christlichen Leben ist, sondern auch dessen Weg. Wir müssen das „Thermostat“ öffnen, damit die objektive Wahrheit der Gnade auch unser Denken und Empfinden durchdringt.

Damit hängt ein weiterer wichtiger Gedanke zusammen: Zorn und Barmherzigkeit sind keine Gegensätze. Jesus ist zornig über das, was Menschen zerstört und andere zur Sünde verführt, gerade weil er die Betroffenen liebt. Sein Zorn über die Schriftgelehrten, die Menschen geistlich missbrauchen, über diejenigen, die Kinder zur Sünde verführen, über die Geschäftemacherei im Tempel und sogar über den Tod des Lazarus steht nicht im Widerspruch zu seinem sanftmütigen Herzen. Vielmehr entspringen Zorn und Erbarmen demselben vollkommen heiligen Herzen.

Besonders gelungen ist in diesem Zusammenhang Ortlunds Rückgriff auf Hosea 11, 8 f.: Gottes Heiligkeit und Israels Untreue führen nicht dazu, dass Gott gleichgültig wird oder zornig reagiert. Gerade angesichts der Untreue seines Volkes wird sein Erbarmen sichtbar. Ähnlich arbeitet Ortlund mit Klagelieder 3,33: Gott betrübt die Menschen nicht „von Herzen“. Zusammen mit Jeremia 32,41 und Jesaja 28,21 entwickelt er daraus die bekannte puritanische Unterscheidung zwischen Gottes „gewöhnlichem“ Werk der Barmherzigkeit und seinem „fremden“ bzw. „ungewöhnlichen“ Werk des Gerichts. Auch Ortlunds Auslegung von Jesaja 55,8 f. ist bemerkenswert. Der Text wird häufig als allgemeine Aussage darüber verwendet, dass Gottes Wege mit uns Menschen unbegreiflich seien – insbesondere bei leidvollen Führungen. Ortlund liest den Zusammenhang genauer: Gottes Gedanken sind höher als unsere Gedanken gerade darin, dass er dem Gottlosen seine Schuld nicht nachträgt, sondern ihm Vergebung anbietet. Unsere Vorstellung von Gott ist häufig zu klein. Wir denken in Kategorien von Vergeltung, Leistung und Gegenseitigkeit; Gott überrascht uns durch die Größe seines Erbarmens.

Ein weiterer großer Vorzug ist Ortlunds Verbindung von Dogmatik und Seelsorge. Das wird besonders deutlich in seiner Darstellung der himmlischen Fürsprache Christi. Die Menschwerdung Christi bedeutet für ihn, dass Jesus nicht nur in der Vergangenheit mitleiden konnte, sondern auch als der auferstandene und erhöhte Mensch Jesus Christus wirklich Mensch geblieben ist. Seine Menschheit ist nicht mit der Himmelfahrt verschwunden. Deshalb kann der auferstandene Christus auch heute Mitleid mit den Seinen haben. Jesus hat die Seinen nicht nach ihrer Rechtfertigung sich selbst überlassen. Wie ein Motorflugzeug, das ein Segelflugzeug einmal auf Höhe bringt und dann allein weiterfliegen lässt, funktioniert die Erlösung nicht. Christus bleibt mit den Seinen verbunden und tritt für sie ein. Hebräer 7 und 1. Johannes 2 werden dabei miteinander verbunden: Christus ist der Priester, der für die Seinen eintritt, und zugleich der Fürsprecher, der sich gerade bei konkreten Sünden als ihr Anwalt erweist. Das ist seelsorgerlich ausgesprochen stark. Ortlund nennt sehr konkrete Beispiele: Alkoholabhängigkeit, unbeherrschtes Verhalten, falscher Umgang mit Geld, Menschenfurcht, die sich als Freundlichkeit tarnt, oder Pornografie. Der natürliche Mensch versucht angesichts solcher Sünden, sich selbst zu rechtfertigen, Ausreden zu finden oder die Schuld abzuschieben. Der Christ darf seine Sünde dagegen ohne Selbstverteidigung zu Christus bringen. Nicht weil die Sünde harmlos wäre, sondern weil Christus gerade für solche Sünder der Fürsprecher ist.

Ortlund vertritt ausdrücklich die Beharrlichkeit der Heiligen bzw. die Unverlierbarkeit des Heils. Bemerkenswert ist allerdings seine Formulierung, dass man eigentlich von der „Beharrlichkeit des Herzens Christi“ sprechen müsse. Wir greifen nach der Hand des Vaters wie ein kleines Kind; entscheidend ist aber nicht die Kraft unseres Griffes, sondern seine Hand, die uns festhält. Diese Lehre ist keineswegs dasselbe wie eine Lehre von der „billigen Gnade“. Ortlunds Argument lautet gerade nicht: „Wenn du einmal gerettet bist, spielt dein weiteres Leben keine Rolle.“ Vielmehr: Wer wirklich mit Christus verbunden ist, wird von Christus festgehalten und gerade deshalb auch verändert. Wer endgültig von Christus abfällt, war nach dieser Auffassung nie wirklich in Christus.

Dabei ist besonders wichtig, dass Ortlund Jesus nicht gegen den Vater ausspielt. Der sanfte Christus ist nicht der freundliche Sohn, der den eigentlich strengen Vater besänftigen muss. Jesus ist vielmehr die vollkommene Offenbarung Gottes. Wer Jesus sieht, sieht den Vater; der Sohn ist „voller Gnade und Wahrheit“. Auch der Vater ist der „Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes“. Ortlund kann deshalb das Herz Christi nicht von der Trinität ablösen.

Sehr stark ist in diesem Zusammenhang seine Verbindung von 2. Mose 33–34 mit dem Johannesevangelium. Mose möchte Gottes Herrlichkeit sehen; Gott lässt seine Güte vorüberziehen und offenbart anschließend seinen Namen als den barmherzigen und gnädigen, langsamen zum Zorn und reich an Gnade und Treue. Erst in Christus wird es möglich, Gottes Herrlichkeit in menschlicher Gestalt zu sehen, ohne von ihr verzehrt zu werden. Der Gott, dessen Güte an Mose vorüberzieht, ist derselbe Gott, dessen Herrlichkeit in Jesus Christus sichtbar wird.

Kritisches

„Gütig und sanft“ tatsächlich ein ausgesprochen seelsorgerliches Buch und kein Lehrbuch. Gleichwohl seine einige kritische Bemerkungen gestattet, wo das Buch zumindest zu Missverständnissen verleiten könnte und verleitet hat, wie andere Rezensionen beweisen.

Wird Matthäus 11,29 nicht überlastet? Ortlund behandelt „sanftmütig und von Herzen demütig“ geradezu als den Schlüssel zum innersten Wesen Christi. Darf aus einem einzigen Satz Jesu tatsächlich abgeleitet werden, was sein „innerstes“ Wesen ist? Schließlich begegnen uns im Neuen Testament neben dem sanftmütigen und demütigen Jesus auch der zornige, richtende, konfrontative und Gericht ankündigende Jesus. Ortlund weiß das durchaus. Er spricht selbst von der „härteren Seite“ Jesu und behandelt seinen Zorn. Ortlund argumentiert überzeugend, dass Christi Zorn und sein Erbarmen aus demselben heiligen Herzen hervorgehen. Fraglich ist m. E. seine starke Unterscheidung zwischen denen, die zu Christus gehören, und denen, die nicht zu ihm gehören. Gegenüber den Seinen sei Christus wie der Leprakranke, der seine Krankheit hasst, ohne deshalb sein eigenes Glied zu hassen. Aber gilt diese Unterscheidung in dieser Schärfe bereits für jede Begegnung Jesu mit Menschen? Die Evangelien präsentieren uns vielfach Menschen, bei denen zunächst gar nicht feststeht, ob sie Buße tun oder verstockt bleiben werden. Und auch die ernsten Warnungen des Hebräerbriefes haben gerade eine pädagogische Funktion: Sie sollen Menschen aufrütteln und zur Beharrlichkeit führen. Ortlund erwähnt die erzieherische Seite der Fürsorge Christi, führt diesen Gedanken aber nicht in derselben Ausführlichkeit aus wie seine Zusicherung der Annahme. Hier wäre eine stärkere Behandlung der biblischen Warntexte hilfreich gewesen.

Ortlund verbindet die „Schwachheiten“ in Hebräer 4,15 eng mit unserer Sündennot und stellt sie in Beziehung zur „Nachsicht“ des Hohenpriesters in Hebräer 5,2. Ist diese Verbindung exegetisch ausreichend differenziert? Denn während die Schwachheit des levitischen Hohenpriesters in 5, f. ausdrücklich auch seine eigene Sündhaftigkeit einschließt, betont Hebräer 4,15 gerade, dass Christus ohne Sünde ist. Bei ihm beruht das vollkommene Mitleid mit unseren Schwachheiten daher nicht auf eigener sündiger Erfahrung, sondern darauf, dass er als sündloser Mensch unsere Prüfungen, Leiden und Versuchungen vollkommen kennt. Ortlund unterscheidet in Bezug auf Heb 5,2 ferner zwischen den „Unwissenden“, die versehentlich sündigen, und den „Irrenden“, die bewusst sündigen. Auch hier wäre eine nähere exegetische Begründung nötig; die Frage ist, ob der griechische Text tatsächlich eine solche systematische Unterscheidung zwischen versehentlichen und bewussten Sünden trägt oder ob hier mehr in die Begriffe hineingelesen wird, als sie im Kontext hergeben.

Ortlund argumentiert, Jesus habe die Versuchung aufgrund seiner Sündlosigkeit sogar in gewisser Hinsicht stärker erfahren als wir: Der Sünder gibt der Versuchung nach, Christus widerstand ihr vollkommen. Ist diese Formulierung nicht zu überspitzt und geht eine solche psychologische Behauptung nicht über den Text hinaus?

Wenn Ortlund im Zusammenhang mit Johannes 13,1 die geistliche Qual Jesu am Kreuz betont, sollte zugleich festgehalten werden, dass Jesus sein Leben freiwillig hingab (vgl. Joh 10,18); die Betonung seines Leidens darf daher nicht den Eindruck erwecken, er sei der Macht der Umstände oder seiner Qual erlegen.

Ortlunds Verwendung von Klagelieder 3,33, Jeremia 32,41 und Jesaja 28,21 gehört zu den stärksten Teilen des Buches. Dass Gottes Gericht in Jesaja als sein „fremdes“ oder „ungewöhnliches“ Werk bezeichnet wird, ist tatsächlich eine biblisch begründbare Aussage. Auch Goodwin hat diese Linie in der von Ortlund aufgegriffenen Weise entfaltet. Dennoch sollte man daraus nicht schließen, Gottes Gericht sei ihm eigentlich fremd oder widerstrebend im Sinne eines Konflikts zwischen seinen Eigenschaften. Gott ist auch im Gericht vollkommen Gott. Seine Gerechtigkeit ist nicht weniger göttlich als seine Barmherzigkeit.

Ortlund liest Jesaja 55,8 f. im Zusammenhang mit Gottes erstaunlicher Bereitschaft zur Vergebung. Das ist überzeugend. Dennoch stellt sich die Frage, ob seine Gegenüberstellung von menschlichem Vergeltungsdenken und göttlicher Barmherzigkeit nicht zu scharf ausfällt. Das Alte und Neue Testament kennt durchaus das Prinzip von Saat und Ernte, und das sogenannte ius talionis ist keineswegs einfach Ausdruck eines gefallenen menschlichen Herzens. Das Prinzip „Auge um Auge“ sollte gerade eine maßlose private Vergeltung begrenzen und eine gerechte Ordnung herstellen. Gerechtigkeit ist deshalb nicht grundsätzlich ein Gegensatz zur Barmherzigkeit. Man könnte Ortlunds Aussage daher präziser formulieren: Nicht Gerechtigkeit und Vergeltung als solche sind menschlich-falsch, sondern unsere gefallene Neigung, Gerechtigkeit in Selbstrechtfertigung und Vergeltung in persönliche Rache zu verwandeln.

Was ist mit dem Preisgericht? Ortlund zeichnet die zukünftige Herrlichkeit sehr stark als endgültige Erfahrung der Gnade. Besonders eindrücklich ist sein Bild aus „Die Chroniken von Narnia“: Wenn die Gläubigen durch den Schrank in die endgültige Wirklichkeit treten, werden sie von Freude überwältigt sein. Niemand wird dort erleben, dass Christus sie doch zurückweist. Das ist wunderbar – aber die Frage nach dem Preisgericht der Gläubigen bleibt. Das Neue Testament kennt durchaus eine zukünftige Beurteilung der Werke der Gläubigen. Wenn Paulus von der Offenbarung unserer Werke und von Lohn spricht, sollte eine Darstellung der zukünftigen Gnade diese Texte nicht ausblenden. Man muss daraus keineswegs schließen, dass Christen im kommenden Gericht von Christus verworfen oder wegen ihrer Sünden verdammt werden. Aber es bleibt ein Unterschied zwischen keiner Verdammnis und keiner Beurteilung. Hier hätte Ortlunds starke Zusicherung der Annahme durch eine ausführlichere Behandlung des Preisgerichts ergänzt werden können.

Etwas irritierend ist schließlich Ortlunds teilweise sehr breite Auswahl an theologischen Gesprächspartnern. Wenn etwa John Stott oder Jürgen Moltmann zustimmend bzw. als Gesprächspartner erwähnt werden, sollte der Leser berücksichtigen, dass ihre theologischen Positionen in wichtigen Fragen nicht ohne Weiteres mit Ortlunds eigener Position identisch sind. Bei Stott gilt dies insbesondere für seine Auffassung von der endgültigen Vernichtung der Ungläubigen.

Fazit

„Gütig und sanft“ ist kein Buch, das eine neue Lehre über Christus erfinden will. Ortlund „zähmt“ Christus nicht einfach zu einem therapeutischen Freund, wie ihm manche Kritiker vorwerfen. Er spricht ausdrücklich von Christi Zorn, seiner Heiligkeit und seinem Gericht. Sein eigentliches Anliegen ist ein anderes: Wir sollen verstehen, dass gerade der heilige Christus den Bußfertigen mit offenen Armen empfängt. Die Stärke des Buches liegt darin, eine biblische Wahrheit mit einer ungewöhnlichen Intensität in den Mittelpunkt zu stellen: Jesus Christus ist nicht widerwillig, wenn Sünder zu ihm kommen. Ortlund möchte einem Christen, der nach einem schweren Fall vor Christus steht, sagen: Lauf nicht von Jesus weg, sondern gerade jetzt zu ihm. Das ist ein sehr wichtiger seelsorgerlicher Dienst.

Dasselbe gilt für sein dezidiertes Eintreten für die Unverlierbarkeit des Heils. Die Beharrlichkeit der Heiligen beruht auf der Beharrlichkeit Christi. Wer wirklich in Christus ist, kann nicht endgültig aus ihm herausfallen. Wer endgültig abfällt, war nie wirklich in Christus. Christen, die eine Heilsverlierbarkeit vertreten, werden seine Position naturgemäß anders beurteilen. Sie werden befürchten, dass die Zusicherung „Jesus wird dich niemals loslassen“ bei manchen Menschen zu einer leichtfertigen Haltung gegenüber der Sünde führt. Als Brüdergemeindler rennt Ortlund in dieser Hinsicht aber bei mir offene Türen ein. Dabei vertritt er durchaus die Lehre von der „teuren Gnade“. Ortlunds These ist nicht, dass Sünde keine Konsequenzen habe oder dass Heiligung unwichtig sei. Seine Argumentation lautet nicht: „Sündige ruhig, denn du kannst ohnehin nicht verloren gehen“, sondern sie lautet vielmehr: „Weil Christus dich festhält, musst du nach deinem Fall nicht vor ihm davonlaufen.“ Seine These ist, dass die Erlösung des wirklichen Christen nicht an der Stärke seines eigenen Festhaltens an Christus hängt. Der Griff Christi ist stärker als unser Griff nach ihm. Das ist gerade für einen gefallenen und angefochtenen Christen eine zutiefst tröstliche Wahrheit. Die Sicherheit der Beziehung soll die Grundlage dafür sein, in die Beziehung hinein zu wachsen, nicht aus ihr heraus zu sündigen.

Kurzum: Ortlund ruft Wahrheiten in Erinnerung, die gerade Christen mit einem ausgeprägten gesetzlichen Denken hören müssen. Wer meint, Gottes Liebe müsse durch gute Leistungen erhalten werden, braucht die Erinnerung daran, dass Gnade nicht nur das Eingangstor des Christseins ist, sondern der ganze Weg. Die Annahme durch Christus hängt nicht davon ab, wie gut wir heute waren. Jesus ist nicht „genervt“ von den Schwachen, nicht überrascht von ihrem Versagen und nicht ständig kurz davor, seine Geduld mit ihnen zu verlieren. Nein, der Christus der Schriften ist „sanftmütig und von Herzen demütig“!

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Das Buch zum Studienführer

Tipp
Gütig und sanft

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Gütig und sanft

Es ist eine Sache, die Lehren von Jesu Menschwerdung, seiner Sühne und hundert andere wichtige Lehren zu kennen. Es ist aber eine andere, tiefer gehende Sache, seine Herzenshaltung Ihnen gegenüber zu kennen.Der Autor lenkt unser Augenmerk auf das von Mitleid erfüllte Herz Christi für Sünder und Leidende und beweist dadurch, dass Jesus kein widerwilliger Heiland ist, sondern jemand, der daran Freude hat, seine Barmherzigkeit zu erweisen. Für jeden, der sich zerbrochen, müde oder leer fühlt, ist dies Balsam.Dieses Buch ist für diejenigen, die sich fragen, ob wir unser Leben mehr vor die Wand gefahren haben, als jemals wieder in Ordnung gebracht werden kann. Es gilt denjenigen, die überzeugt sind, dass wir unsere Nützlichkeit für den Herrn für immer verloren haben. Die durch schlimmen Schmerz von den Füßen geholt wurden und sich fragen, wie wir unter einer solchen betäubenden Finsternis weiterleben sollen. Für diejenigen von uns, deren Leben als Christ sich ständig anfühlt, als würden sie eine Rolltreppe hinauflaufen, die aber beständig nach unten fährt. Für diejenigen unter uns, die denken: "Wie konnte ich das − schon wieder − so vermasseln?" Es gilt diesem wachsenden Verdacht, dass die Geduld Gottes gegenüber uns nachlässt. Für diejenigen unter uns, die wissen, dass Gott sie liebt, aber zugleich argwöhnen, dass wir ihn tief enttäuscht haben.Mit anderen Worten formuliert, es ist für normale Christen geschrieben. Kurz gesagt, es gilt Sündern und Leidenden. Was für Empfindungen hat Jesus ihnen gegenüber? "Ich habe kein Buch gelesen, das sorgfältiger, gründlicher und sanftmütiger das Herz von Christus zeigt als das, das Dane Ortlund geschrieben hat."Paul David Tripp

18,50 €*